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Gruselgeschichten zum Selber - und Vorlesen gedacht

Wie schön gruselig kann so eine Geschichte bei Einbruch der Dunkelheit sein oder wenn sie bei Kerzenschein um 24.00 Uhr, in dem sonst abgedunkelten Zimmer bei jüngerem Übernachtungsbesuch vorgelesen wird.
Manchmal . . . ein Erlebnis ganz besonderer Art.

In der Hexennacht als auch zu Halloween eignet sich so eine Gruselgeschichte am Besten. Wenn die Rede von Geistern und Gespenster, von schwarzen Monstern und Irrlichter im Moor die Rede ist, wenn sich die Nackenhaare sträuben und sich über dem Körper die Gänsehaut breit macht . . . dann ist Gruselzeit.

Celine und ich werden versuchen, so nach und nach eine ganze Sammlung an Gruselgeschichten für euch zusammen zu tragen.



Das Monster aus dem Wald


Es ist Halloween. Meine beste Freundin, Anne und ich, werden heute Nacht zu ersten Mal unter freiem Himmel schlafen.
Wir haben bereits alles vorbereitet und breiten gerade unsere Schlafsäcke, vor einem Wald, auf dem weichen Gras, aus.
Bernd, Annes riesiger Hund, der uns heute Nacht bewachen wird, richtet sich auch schon gemütlich auf seiner Decke ein.
Wir stellen Lichter in unsre selbstgemachten Halloween - Kürbisse, damit wir nicht völlig im Dunklen tappen.
Langsam wir es dunkel und unser Lager sieht richtig gemütlich aus. Bernd legt sich zu Anne und mir, und ich erzähle Anne eine Geschichte, die mein großer Bruder mir heute morgen erzählt hat. Es ging um Kinder die bei einer Halloween - Nachtwanderung von einem schrecklichen Geschöpf verfolgt und getötet wurden. Und dieses Geschöpf soll seit dieser Zeit, jede Nacht zu Halloween, unterwegs auf der Jagd sein.
Anne gruselt sich schon ganz dolle, deshalb höre ich mitten in der Gruselgeschichte auf zu erzählen. Denn ich befürchte, Anne möchte sonst die Nacht hier im Dunkel nicht mit mir verbringen. Wir schauen den hellen Mond an, als ein plötzlicher Windstoß unsere Kürbis lichter ausbläst.
Im Wald knackt es, vermutlich nur morsches Holz, dass durch den Windstoß in Bewegung kam und knackte.
Doch Bernd bekommt einen Schreck und spring auf, als sich nun gegenüber von uns die hohen Pappeln im Wind biegen, bekommt sogar der große, gewaltige Hund Bernd so eine Angst, dass er in den Wald hinter uns rennt.
Anne sagt mir aber, dass das nicht schlimm ist, er komme sicher bald zurück.
Also legen wir uns wieder in unsere Schlafsäcke und starren in den Himmel, der leider langsam bewölkt.
Es ist völlig dunkel, ich sehe nichts und höre nur Annes Atem, der immer schwerer wird. Ich glaube sie ist eingeschlafen. Bernd ist immer noch nicht da.
Die Nacht verändert die Welt. Alles was am Tag harmlos erscheint wird im Dunkeln furchteinflößend. Die Pappeln die sich an Sommertagen im lauen Wind wiegen, biegen sich nun in der Nacht ächzend in den Windstößen.
Die Vögel, die eigentlich fröhliche Lieder singen, verstummen Nachts, man hört nur noch ab und zu ein lautes, kratziges Krähen.
Nun verdecken die Wolken sogar den Mond, und ich hoffe, dass es nicht regnen wird. Ich ziehe den Reißverschluss meines Schlafsacks so hoch es nur geht, sodass ich mich einigermaßen warm und wohl fühlen.
Ich schließe die Augen und versuche mich auf Annes ruhigen Atem zu konzentrieren. Das gelingt mir auch ganz gut, doch plötzlich schreckt meine Freundin auf, schlägt mir ihr Kissen ins Gesicht und schaut mich fürchterlich verängstigt an.
Als sie mir sagt, dass sie aus dem Wald etwas gehört hat, ein Knacken und danach ein Tripeln, bekomme ich auch einen Schreck, doch ich versuche sie beruhigen. Jetzt höre auch ich ein tiefes Grummeln aus dem dunklen Baumgewirr.
Wir probieren aus unseren Schlafsäcken zu kommen, doch ich kriege den Reißverschluss nicht mehr auf!
Nach einigen vergeblichen Versuchen, kann ich mich doch befreien.Anne hilft mir hoch. Es knackt wieder im Wald.
Erst jetzt erkenne ich wieder die großen Schatten der Pappeln, gegenüber vom Wald.
Ich sehe nicht, halte Annes Hand und höre nur mein Herz schlagen. Plötzlich raschelt es im Gebüsch, ganz nah bei uns.
Anne schreit so laut, dass ich auch nicht anders kann, als lautstark nach Hilfe zu rufen . . . was nichts bringt . . . weil uns hier niemand hört.
Wir sind ganz allein mit unserer Angst. Es knackt erneut und wir rennen, was unsere Beine hergeben können. Wir rennen und rennen, ohne zu wissen wohin. Rennen mit dem einzigen Ziel, von hier weg zu kommen.
Ich höre Anne weinen und ziehe sie mit aller Kraft am Arm hinter mir her, sie kann nicht mehr laufen, ich auch nicht.
Auf einmal bricht etwas aus dem Wald, der mittlerweile hinter uns liegt.
Wir hören nur schnaufen. Wir sehen nichts.
Fangen wieder an zu Rennen . . . nur weg, weg.
Ich denke an die Gruselgeschichte und an das Ende, dass ich Anne nicht erzählt habe.
Jetzt laufen auch mir die Tränen die Wangen herunter und vermischen sich mit dem Angstschweiß. Anne läuft und läuft, genau wie ich, nur um weg zu kommen und es scheint, als würde unser Verfolger nur laufen, um uns zu kriegen.
Von Hinten hören wir lautes Hecheln, ich stolpere, ich stolpere und falle.
Anne will mir helfen, aber mein Gewicht zieht sie zu Boden und sie fällt.
Das große dunkle Geschöpf rennt weiter, rennt weiter um uns zu kriegen. Es kommt seinem Ziel näher und . . . mit einem Mal springt es ab, und es kommt mir vor wie in Zeitlupe, diese Gestalt, in unmittelbarer Nähe springt direkt auf uns zu. Ich schließe die Augen, die Sekunden kommen mir vor wie Stunden.
Doch jetzt glaube ich nicht was ich höre . . . , Anne lacht, tatsächlich, als ich die Augen öffne fange ich auch an zu lachen.
Unser großes Ungeheuer war Bernd, der uns wohl endlich wieder gefunden hat. Wir sitzen im Gras und lachen, Bernd in unsrer Mitte und fühlen wie langsam die ersten Sonnenstrahlen unsere 3 Nasen kitzeln.

Die Nacht verändert die Welt nicht, nur unsere Gedanken.

(copyright © Celine Jakel)

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